{"id":5446,"date":"2020-02-12T17:28:49","date_gmt":"2020-02-12T16:28:49","guid":{"rendered":"https:\/\/halle.dakd.de\/?p=5446"},"modified":"2020-07-29T21:07:06","modified_gmt":"2020-07-29T19:07:06","slug":"beerdigungsritus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/halle.dakd.de\/am\/beerdigungsritus\/","title":{"rendered":"Beerdigungsritus"},"content":{"rendered":"<div class=\"fusion-fullwidth fullwidth-box fusion-builder-row-1 fusion-flex-container nonhundred-percent-fullwidth non-hundred-percent-height-scrolling\" style=\"--awb-border-radius-top-left:0px;--awb-border-radius-top-right:0px;--awb-border-radius-bottom-right:0px;--awb-border-radius-bottom-left:0px;--awb-flex-wrap:wrap;\" ><div class=\"fusion-builder-row fusion-row fusion-flex-align-items-flex-start fusion-flex-content-wrap\" style=\"max-width:1248px;margin-left: calc(-4% \/ 2 );margin-right: calc(-4% \/ 2 );\"><div class=\"fusion-layout-column fusion_builder_column fusion-builder-column-0 fusion_builder_column_1_1 1_1 fusion-flex-column\" style=\"--awb-bg-size:cover;--awb-width-large:100%;--awb-margin-top-large:0px;--awb-spacing-right-large:1.92%;--awb-margin-bottom-large:20px;--awb-spacing-left-large:1.92%;--awb-width-medium:100%;--awb-order-medium:0;--awb-spacing-right-medium:1.92%;--awb-spacing-left-medium:1.92%;--awb-width-small:100%;--awb-order-small:0;--awb-spacing-right-small:1.92%;--awb-spacing-left-small:1.92%;\"><div class=\"fusion-column-wrapper fusion-column-has-shadow fusion-flex-justify-content-flex-start fusion-content-layout-block\"><div class=\"fusion-text fusion-text-1\" style=\"--awb-content-alignment:left;\"><p align=\"justify\"><span style=\"font-size: 20px;\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif;\"><span style=\"font-size: 16px;\"><span style=\"font-size: 20px;\">Nach dem biblischen Gebot ist jedem Menschen bewusst, dass sein irdisches Leben eines Tages ein Ende haben wird. Somit ist der Tod die Unterbrechung des menschlichen Lebens, der gegen\u00fcber man nicht gleichg\u00fcltig bleiben kann. Das ist der Grund, warum der Mensch sich gezwungen f\u00fchlt, den Sinn des Lebens und die Fragen seiner Existenz tiefgreifender zu erkennen, als das Ph\u00e4nomen der Liebe und der Geburt zu bedenken geben. Vor <\/span><\/span>allem wird man mit dem Tod durch den Tod eines anderen konfrontiert, obwohl der eigene Tod der schrecklichste und unvermeidlichste ist.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 16px;\"><span style=\"font-size: 20px;\">Der Beerdigungsritus ist eine bestimmte Verhaltensweise gegen\u00fcber der Unterbrechung des Lebens und der Bew\u00e4ltigung des Sterbens, die in allen Religionen und Kulturen allgemein erkennbar ist. Das Begr\u00e4bnis wird aber nicht als ein blo\u00dfer Abschied vom Leichnam verstanden. Beisetzungen Verstorbener ohne Ritual wurden immer als eine Schande empfunden. Um sich gegen\u00fcber dem Leichnam ehrenvoll zu verhalten, haben verschiedene Kulturen und Traditionen Begr\u00e4bnisrituale rund um die Beerdigung entwickelt, die von Generation zu Generation sorgf\u00e4ltig \u00fcberliefert werden.<\/span><\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Zu unseren Lebensstationen geh\u00f6ren auch die Geburt und die Heirat, die ebenfalls bestimmten Rituale haben. Jedoch wird der Beerdigungsritus von uns nicht als eine Lebensstation wahrgenommen. Er ist mehr eine \u00c4u\u00dferung der Lebenden gegen\u00fcber den Verstorbenen, worin die Vorstellungen \u00fcber Tod und Leben ihren Platz einnehmen. Der Begr\u00e4bnisritus ist mit zwei prinzipiellen Vorstellungen verbunden: einerseits sind es unsere Gef\u00fchle von Liebe und Achtung gegen\u00fcber dem Verstorbenen und besonders der Schmerz als Ergebnis unserer Bekanntschaft mit dem Verstorbenen; andererseits sind es unsere Gef\u00fchle gegen\u00fcber dem Tod als einer unvermeidlichen Grausamkeit, einer groben, gegen das Leben gerichteten Kraft.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Die Antwort des unbegreiflichen Geheimnisses des Todes finden wir im Christentum durch den Glauben an Christi Heilswerk und seine Auferstehung. Die Auferstehungshoffnung des Christentums, nach der der Tod nicht die letzte Station ist, wird im Glauben an die \u00dcberwindung des Todes durch Christus gekn\u00fcpft. Durch Christus wird der Mensch des Todes enthoben. F\u00fcr den Christen hat die Herrschaft des Todes f\u00fcr die Sterblichen mit dem Erscheinen Christi in dieser Welt ihr Ende gefunden. Seitdem hat sich alles ver\u00e4ndert. Alles, was bis dahin schrecklich war, wurde zum Hl. Mysterium; das irdische Ende des Christen wurde zum Anteil an Tod und Auferstehung Christi. Der Tod wird nicht mehr als eine machtlose Unterbrechung des Lebens verstanden, sondern als Auffahrt und Wiederkunft in der Pr\u00e4senz Gottes in ein neues und verhei\u00dfungsvolles Leben. Also weswegen Tr\u00fcbsal und Furcht? Demzufolge klagt der Christ nicht \u00fcber einen Verstorbenen, wie die Heiden es tun, sondern er geleitet ihn mit Lobpreisungen zum Grab, denn auf den Verstorbenen wartet dort die volle Erneuerung durch die Gnade Gottes. In diesem Sinne setzte sich die fr\u00fchchristliche Kirche mit den heidnischen Totenwehklagen auseinander. Das ist auch der Grund, warum die Christen der Fr\u00fchkirche ihren Verstorbenen wei\u00dfe Kleider anlegten, ihre Stirn mit Triumphkronen schm\u00fcckten und sie in feierlichen Leichenprozessionen mit zahllosen Leuchtern und Lobges\u00e4ngen zum Grab geleiteten. Die wei\u00dfe Farbe stand als Symbol f\u00fcr Leben und Freude im fr\u00fchchristlichen Begr\u00e4bnisritus im Gegensatz zu den heidnischen Trauerfarben Schwarz und Rot. Es herrschte die Vorstellung, dass die Seele des Verstorbenen auf dem Weg des ewigen Lebens wei\u00dfe Kleidung tragen w\u00fcrde. Die wei\u00dfe Farbe symbolisierte auch die endzeitliche Trauung, die die Seele durch den Tod mit Christus verbindet.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">In der christlichen Mystik der Farben stellt sich die Hingabe der Seele in der Taufe auch in einer weiteren Dimension dar. Der durch das Taufbad neu geheiligte Christ zieht wei\u00dfe Kleider an als Neugeborener und als der, der den Hl. Geist angenommen hat. Wie der einst im T\u00e4ufling Platz genommene Hl. Geist Christus auferweckt hat, so ruft jetzt derselbe Hl. Geist den Verstorbenen zum Leben. Sp\u00e4ter zieht sich die Best\u00e4tigung des Taufglaubens wie ein roter Faden durch den armenischen Begr\u00e4bnisritus &#8211; als Garant f\u00fcr die Auferstehung.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Es ist erkennbar, dass seit fr\u00fchchristlichen Zeiten in Begr\u00e4bnisritualen bestimmte Psalme rezitiert wurden und parallel dazu auch F\u00fcrbitten-Gebete mehr an Bedeutung gewannen. Die Kirche glaubte, dass die vom K\u00f6rper getrennte Seele mit diesen Gebeten Gott \u00fcberliefert w\u00fcrde.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">So werden die wichtigsten Fundamente der Entstehung des christlichen Begr\u00e4bnisritus gelegt, wodurch sich der Ritus mehr und mehr vom Erbe des Totenkultes aus antiken Zeiten absetzt, und der Auferstehungsglaube betont wurde.<\/span><\/p>\n<p align=\"justify\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Aus der Fr\u00fchphase der christlichen Begr\u00e4bnisse sind fragmentarische Inschriften auf Grabsteinen, sowie f\u00fcr Entschlafene verfasste Gebete bekannt, wie es etwa die Gebete (Euchologien) von Serapion von Thmuis und die apostolischen Konstitutionen bezeugen. Ungef\u00e4hr seit dem 4. Jh. wird das Abfassen von Gebeten und die freie Rede neben dem fr\u00fchchristlichen Brauch im Ritus \u00fcblich. Allgemein wird das 4. bis 8. Jh. als Entstehungsphase des kirchlichen Ritus aufgefasst. In dieser Zeit existierten noch keine festgelegten Handschriften. Die Riten und Rituale befanden sich also noch in ihrer Entstehungsphase. Die Priester hatten die M\u00f6glichkeit den Ritus nach eigenem Belieben frei zu gestalten<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Das \u00e4lteste Zeugnis eines Begr\u00e4bnisritus finden wir Ende des 6. Jh. bei Dionysius von Areopagita in seinem Werk \u201eDe ecclesiastica hierarchia\u201c, wo der Ritus der Kirche Antiochiens geschildert wird. In seinem der christlichen Geistlichkeit gewidmeten Werk erkl\u00e4rt Areopagita den Ritus der Kirche als ein \u201eMysterium\u201c, das das h\u00f6chste und \u00fcbernat\u00fcrliche Geheimnis widerspiegelt. Der Begr\u00e4bnisritus als ein \u00dcbergang vom irdischen zum himmlischen Leben eines Christen legt das g\u00f6ttliche Geheimnis des Lebens im Jenseits aus. Obwohl der Begr\u00e4bnisritus theologisch nicht als Sakrament definiert wird, beinhaltet er einen tiefgreifenden geistlichen Sinn. Deshalb stellt Areopagita den \u201eRitus der heiligen Entschlafenen\u201c den Sakramenten Taufe und Abendmahl gleich. Die Kirche stellt durch die Taufe die Nachfolge Christi im irdischen Leben eines jeden Christen sicher, und durch das Abendmahlssakrament best\u00e4rkt sie den Glauben der Christen. Dank des Begr\u00e4bnisritus sieht die Kirche den \u00dcbergang des Gl\u00e4ubigen in die Welt des Jenseits und seine vollkommene Existenz\u00a0 bei Gott gesichert.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Der Tod des Menschen wird somit geweiht, und der Mensch nimmt als Nachfolger Christi an einem Heilmysterium teil. Best\u00e4rkt durch das Abendmahl Christi, steigt der Mensch mit Christus in den Abgrund herab, um mit Ihm gemeinsam siegreich von dort wieder aufzuerstehen.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Der christliche Glaube setzte sich mit den heidnischen, d\u00fcsteren und tr\u00fcbsinnigen alten Todesvorstellungen dieser Art auseinander, die die vollkommenen Hoffnung zur Auferstehung versprachen. Der Glaube an die Verg\u00e4nglichkeit des Todes bekam einen tr\u00f6stenden Charakter, indem der Tote \u201eEntschlafener\u201c und nicht \u201eVerstorbener\u201c genannt wird. Die Ruhe des Grabes ist ein vorl\u00e4ufiger Schlaf bis zur Auferstehung, und der Verstorbene &#8211; \u201eein Entschlafener\u201c. Statt des ewigen Todesschlafes ist das Grab eine vorl\u00e4ufige Ruhest\u00e4tte des Leichnams. Die griechischsprachigen Christen haben diese Begrifflichkeit im Gegensatz zu den heidnischen Vorstellungen \u00fcber das Grab und die ewigen wie vorl\u00e4ufigen St\u00e4tten der Toten theologisch differenziert. Nach der Christianisierung Armeniens wurde diese Differenzierung vom Griechischen in den armenischen Sprachgebrauch \u00fcbernommen und und armenisiert.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Die armenische Kirche begann, solche christlichen Begrifflichkeiten f\u00fcr das Grab wie &#8222;Ruhest\u00e4tte&#8220;, &#8222;Ruhe&#8220; oder &#8222;Ruheort&#8220; zu verwenden. Die Begriffe &#8222;Grab&#8220; und &#8222;Gruft&#8220; wurden f\u00fcr die heidnischen Gr\u00e4ber verwendet. Zum Beispiel die k\u00f6niglichen Grabmale in Ani wurden &#8222;Gr\u00e4ber&#8220; genannt, &#8211; im Gegensatz zu den &#8222;Ruhest\u00e4tten&#8220; der Heiligen und M\u00e4rtyrer. Das Grab als urspr\u00fcngliche Ruhest\u00e4tte begegnet uns in den Zeugnissen des Evangeliums: der Tod eines Christen, der an die Auferstehung der Toten glaubt, ist nicht sein Ende. In diesem Sinne legt die armenische Kirche durch den Begr\u00e4bnisritus den Glauben des ewigen Lebens aus.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Der t\u00e4uschende Schein des Todes, der durch den rechten Glauben verschwindet, spiegelt sich in der Bezeichnung des Begr\u00e4bnisritus, die die armenische Kirche ganz fr\u00fch f\u00fcr ihren Begr\u00e4bnisritus bestimmt hat, n\u00e4mlich \u201eKanon der Bestattung aller Entschlafenen durch das Begr\u00e4bnis in Christus\u201c. In den alten Begr\u00e4bnisgebeten finden wir nirgends die Bezeichnung \u201eVerstorbener\u201c. Die Handschriften berichten thematisch von der Ruhe der verschiedenen Seele und ihrer Reise in die Welt des Jenseits. Der K\u00f6rper aber wird in der Erde bestattet, aus der er einst geschaffen wurde. Die Gebete beinhalten auch F\u00fcrbitten, dass Gott die Seele annehmen m\u00f6ge. Die Psalmen dienen der Sicherung des Glaubens an Gott und Seinen rettenden Schutz vor dem Tod im Jenseits. Das Elend und die Unvermeidlichkeit des Todes werden zwar nicht verschwiegen, im Ganzen jedoch wird die Wehklage zur hoffnungsvollen Lobpreisung.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Nach der Christianisierung Armeniens wurde das Begr\u00e4bnisritual in die armenische Kirche aufgenommen und neu- bzw. umgestaltet. In der heidnischen Antike war die Bestattung zwar eine private Angelegenheit der Familienangeh\u00f6rigen, mit der Christianisierung jedoch wurde sie zu einer Angelegenheit der Kirche bzw. der Gemeinde, &#8211; und so entstand der Ritus.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">In der armenischen Geschichtsschreibung vor dem 5. Jh. sind nur wenige fragmentarische Berichte erhalten, so dass eine genaue Rekonstruktion der Entstehungsstufen nicht vollziehbar ist. Es ist nur anzunehmen, dass die armenische Kirche verschiedene heidnische Elemente und Br\u00e4uche aufgenommen hat, die den christlichen Todesvorstellungen nicht widersprachen. Das Singen von Psalmen und Hymnen, das F\u00fcrbitten-Gebet f\u00fcr die Verstorbenen, das Segnen des Grabes, sowie der Jahrestag der Verstorbenen waren elementare Riten, die die Kirche aus den alt-herk\u00f6mmlichen Br\u00e4uchen hinzuf\u00fcgte. Somit bildeten diese Riten im 4. Jh. die Basis f\u00fcr die sp\u00e4tere Entwicklung der Begr\u00e4bnisrituale in Armenien. Sie gestalteten sich sp\u00e4ter deutlich als dreiteiliger Ritus. In der Fr\u00fchphase wurde die Leichenprozession mehr betont. Aller Wahrscheinlichkeit nach waren in den fr\u00fchen Zeiten die Aufbahrung (Prothesis), die Nachtwache (Vigil) und die Liturgie keine Bestandteile des Begr\u00e4bnisritus in der Kirche. Im Allgemeinen wurde das Gebet in der Kirche abgehalten. Erst im 10. Jh. m\u00fcsste der kurze Halt vor der Kirche und die damit verbundene Anordnung der Gebete hinzugekommen sein, so dass dies in der Fr\u00fchzeit nicht von Bedeutung war. Das Christentum erbte alte Br\u00e4uche. So wurde der Leichnam des Entschlafenen nicht zur Kirche getragen. Im alten Begr\u00e4bnisbrauch war ein Prozessionszug mit dem Leichnam zum Tempel ausgeschlossen gewesen, denn die Anwesenheit eines Toten an geweihter St\u00e4tte galt als Befleckung. Somit lag das Hauptgewicht der christlichen, rituellen Gestaltungsm\u00f6glichkeiten auf der Trauerprozession, die zu den Grabst\u00e4tten au\u00dferhalb der bewohnten Gegend zog und den wichtigsten Bestandteil in der Antike darstellte. Der Prozessionszug vom Sterbehaus zu den Grabst\u00e4tten gewann bei den ersten armenischen Christen eine gro\u00dfe Bedeutung. Zum zeichenhaften Vollzug einer \u201emigratio ad Dominum\u201c wurde er symbolisch umgestaltet. Viel sp\u00e4ter wurde dieser Brauch durch Vigil be-reichert, indem der Verstorbene am Vorabend der Bestattung feierlich zur Nachtwache (Vigil) zur Kirche gebracht wurde. Von der heidnischen Funeralprozession \u00fcbernahmen die Christen den reichlichen Gebrauch von Fackeln, Kerzen und R\u00e4ucherwerk. Der lustrative und apotrop\u00e4oische Zweck der Lichter der heidnischen Zeit wurde christlich umgedeutet als spirituelles Symbol der \u201eLux perpetua\u201c bzw. als Symbol f\u00fcr Christus, dem ewigen Licht der Welt. In Armenien wurden die alt-herk\u00f6mmlichen Wehklagen w\u00e4hrend des Begr\u00e4bnisses schon am Anfang der Christianisierung strikt verboten. Vor allem hatten Musiker, T\u00e4nzer, Mimen und verdingte Klageweiber, deren Teilnahme dem christlichen Glauben an die Auferstehung entgegenstand, in der christlichen Prozession keine Berechtigung. Solch Verhalten war von heidnischen Zeiten an im Volk als lebendige Spur eines Todeskultes verwurzelt. In zahlreichen kanonischen Beschl\u00fcssen der armenischen Kirche versuchte man jede Art der extremen Wehklagen zu verbieten und es galten sogar Strafen bis hin zur Anathema (Verdammung). Diese Verbote zielten auf die Abschaffung jeglicher Art des Ausdrucks von Wehklagen, die oft bis zum Selbstmord f\u00fchrten.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Mit der Abschaffung der Wehklagen \u00fcber die Toten hat die Kirche dem Begr\u00e4bnisritus einen tiefen Sinn verliehen. Nach dem christlichen Verst\u00e4ndnis von der Auferstehung nach dem Tod bzw. im festen Glauben an ein Leben im Jenseits sollte das Begr\u00e4bnis statt mit Wehklagen mit einer feierlichen Zufriedenheit und mit Psalmgesang einhergehen.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Der Katholikos Nerses der Gro\u00dfe versuchte mit kirchenrechtlichen Ma\u00dfnahmen dagegen einzuschreiten. Im Zuge seiner Sozialreformen erlie\u00df er auf der Synode zu Aschdischad Bestimmungen, die auf die christliche Durchdringung des Totenkultes zielten. \u00dcber seine Reform der Trauersitten unterrichtet uns Pawstos: \u201eWenn jemand \u00fcberraschend starb, wagte es niemand, den Verstorbenen gegen die kanonische Ordnung der Kirche hoffnungslos zu beweinen. Auch trauerte niemand oder stellte Klagen um den Toten an, und niemand erhob ein Schreien \u00fcber den Toten in den Tagen des Nerses, sondern man geleitete seine Toten auf ihrem Weg blo\u00df unter Tr\u00e4nen, mit ma\u00dfvollen Psalmen und Lobges\u00e4ngen, sowie Lichtern und brennenden Kerzen \u201c.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Trotz heftigen Kampfes hat die armenische Kirche die alt-herk\u00f6mmlichen Br\u00e4uche nicht g\u00e4nzlich entwurzeln k\u00f6nnen. In der christlichen Zeit hat die Klage im Sterbehaus und w\u00e4hrend des Begr\u00e4bnisritus noch lange ihre Wirkung bewahrt. Psalmen haben im Laufe der Zeit den Platz der Wehklagen eingenommen. So haben sie bei der Gestaltung der kirchlichen Gebete eine gewichtige Rolle gespielt und mit den alt-herk\u00f6mmlichen Br\u00e4uchen den Kanon des armenischen Begr\u00e4bnisritus gebildet.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Parallel zum Psalmgesang pflegte man in Armenien einen anderen alten christlichen Brauch zu praktizieren, n\u00e4mlich das R\u00e4ucherwerk auf dem Friedhof. Nachdem der Verstorbene bestattet wurde und das Grab durch den Priester mit den Gebeten kreuzf\u00f6rmig gesegnet wurde, galt das Grab als versiegelt. Heute wird der Begr\u00e4bnisritus noch mit dem Versiegeln des Grabes abgeschlossen. Nach den heute gebr\u00e4uchlichen Formeln lautet die Segensformel, die der Priester zuerst an der westlichen Seite (am Kopfende), dann an der \u00f6stlichen Seite (am Fu\u00dfende) und danach in der Mitte des Grabes (am Brustkorb des Toten) spricht: \u201eEs werden gesegnet und versiegelt bewahrt das Grab und die Gebeine des Dieners Gottes durch das Zeichen des heiligen Kreuzes und durch das Wort des heiligen Evangeliums und den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes&#8230; Es werden gesegnet und versiegelt bewahrt die Gruft und Gebeine&#8230; Es werden gesegnet und versiegelt bewahrt das Grabmal und Gebeine&#8230;\u201c. Sodann spricht der Priester: \u201eUnverr\u00fcckbar sei das Siegel des Herrn auf dem Grab des Dieners Gottes bis zur Ankunft Christi, welcher kommen und neu machen wird mit Herrlichkeit, in der Herrlichkeit des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen\u201c.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Kulturgeschichtlich hat das Christentum die \u00fcberragende Bedeutung des Siegelzeichens von der Sp\u00e4tantike \u00fcbernommen. Das Versiegeln der Gr\u00e4ber zur Kennzeichnung des Eigentums und zur Sicherung gegen\u00fcber unbefugtem Eingriff Fremder war ein allgemein \u00fcblicher Brauch. Pilatus lie\u00df das Grab Jesu versiegeln, um dem Raub des Leichnams vorzubeugen (vgl. <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Matth%C3%A4us27%2C66\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Mt. 27,66<\/a>). Die Ruhe des Toten nicht zu st\u00f6ren und den Toten als Besitz Gottes zu kennzeichnen, war auch der Sinn des Siegelabdrucks auf vielen fr\u00fchchristlichen Gr\u00e4bern. In \u00fcbertragener Symbolik diente die Versiegelung dem Zweck, den Toten und damit die Umwelt vor d\u00e4monischen M\u00e4chten zu sch\u00fctzen.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Die Versiegelungssymbolik spielt im Taufritus (Gnunk &#8211; dt. Versiegelung) auch eine gewichtige Rolle. Das aus dem Wasser herausgenommene neugeborene Kind wird mit Myrrhen\u00f6l gesalbt: somit werde es \u201eversiegelt\u201c zum Schutz vor b\u00f6sen M\u00e4chten. Diese Vorstellung ist auch im \u00e4ltesten Begr\u00e4bnisritus vorhanden, den man in der \u00e4ltesten, noch aus dem 10. Jh. erhaltenen Maschtotz-Begr\u00e4bnisformel findet. Im \u201eVersiegelungsgebet\u201c zum Schluss des Ritus betet der Priester vor dem neubestatteten Leichnam zu Gott und bittet um die Bewahrung der Ruhe des Verstorbenen mit geistlichen Siegeln bis zu seiner Auferstehung, indem er spricht: \u201eUnd nun, Herr, unser Gott, strecke deine besch\u00fctzende Rechte aus und segne und versiegele den Ort seiner (des Verstorbenen) Ruhe, so dass seine Gebeine unter Wacht und in Obhut stehen wie kostbare Sch\u00e4tze vor deiner Gottheit, und kein sichtbarer und unsichtbarer Feind wage, sich dar\u00fcber hinwegzusetzen\u201c.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Am Tag nach der Beerdigung hie\u00df es bei der Toten-Gedenkfeier im Gebet, das der Priester am frischen Grab sprach: \u201eBesch\u00fctze, allumfassender und allm\u00e4chtiger Herr, die Seele dieser mit Deinen Heiligen und denen, die Deinen Namen lieben. Und dieses Grab Deines Dieners bewahre versiegelt, der Du die Tiefen verschlie\u00dft und mit Deiner allm\u00e4chtigen Rechten versiegelst; die Himmel und die Himmel der Himmel und alle Elemente und die Erde stehen fest begr\u00fcndet durch Dein Wort. So sei auch unverr\u00fcckbar das Siegel Deiner Herrschaft \u00fcber seiner (des Toten) Wohnst\u00e4tte und \u00fcber dem Aufbewahrungsort Deines Dieners. Und kein unbefleckter und unreiner D\u00e4mon wage es, sich ihm zu nahen wie dem K\u00f6rper und dem Geist der Heiden, welche nicht die heilige Geburt aus dem Taufbecken haben und das abschreckende und Ehrfurcht gebietende Siegel auf ihren Gr\u00e4bern\u201c.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Schon in der christlichen Fr\u00fchzeit war in Armenien das Totengedenken am Jahrestag des Todes eines Verstorbenen fester Bestandteil des Totenkultes. An den Gr\u00e4bern des Hl. Sahag und des Hl. Maschtotz fand allj\u00e4hrlich ein Gedenken statt. Gedenkfeiern wurden auch f\u00fcr Gregor den Erleuchter (Krikor Lusaworitsch), f\u00fcr den K\u00f6nig Drtad (Tridates III.) und f\u00fcr die M\u00e4rtyrinnen Hripsime und Kayane abgehalten. Die armenischen Christen hielten das Totengedenken ab, das allgemein gro\u00dfe Bedeutung im Kult der alten christlichen Kirchen gehabt hat.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Das Gedenken des Jahrestages des Toten war in der Antike allgemein \u00fcblich. Auch die christliche Kirche hat diesen Brauch \u00fcbernommen, allerdings mit einem wesentlichen Unterschied. Die Kirche feierte j\u00e4hrlich nicht an dem irdischen Geburtstag des Toten, wie es im antiken Heidentum \u00fcblich war, sondern an dessen Todestag. Denn nach der christlichen Lehre galt der Tag des Todes als Tag der wahren Geburt im Gottesreich. Der Todestag wurde so zum Tag der Geburt bei Christus im neuen Leben.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Das F\u00fcrbitten-Gebet ist eng mit dem Totengedenken verbunden, das vom Katholikos Wrtanes im armenischen Ritus eingef\u00fchrt wurde. Der Katholikos hat das Gebet erstmals f\u00fcr die im Perserkrieg gefallenen Armenier in der Messliturgie gesprochen. Die Synode von Schahabiwan im Jahre 447 best\u00e4tigte die Anamnese der Entschlafenen w\u00e4hrend der Messliturgie. Mantaguni bezeugte auch die Notwendigkeit des f\u00fcrbittenden Totengebets. In den alten Handschriften der Begr\u00e4bniskanones werden neben den F\u00fcrbitt-Gebeten auch die umfangreichen Gebete des Priesters bezeugt. Es ist leider nicht m\u00f6glich eine umfassende Darstellung \u00fcber die Art und den Sinn der Gebete aus den alten Berichten zu rekonstruieren. Nur im 10. Jh. betont der Katholikos Khosrow Andsewatzi in seinem Liturgiekommentar auch die Wichtigkeit der Totenf\u00fcrbitte und die Hilfe, die allen, selbst den vor Christus dahingegangenen Toten durch das Messopfer zuteil wird.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Die Ehrerbietung den Vorfahren gegen\u00fcber, die im vorchristlichen armenischen Totenkult eine gewichtige Stellung hatte, wurde von der Kirche \u00fcbernommen und in eine Tradition der Gedenktage f\u00fcr die Verstorbenen umgewandelt. An diesen Tagen hat man an den Gr\u00e4bern ein Totenmahl abgehalten, zur Erquickung der Seele des Verstorbenen. Diesem Totenmahl entwuchs sp\u00e4ter der christliche Brauch des Madaghs-Opfermahls.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Die Wurzeln des Madaghs liegen schon in der vorchristlichen Zeit. Gregor der Erleuchter hat es bewusst mit dem christlichen Kanon verbunden. Obwohl die Griechen diesen Brauch lange Zeit als mit j\u00fcdischer Sitte verbunden verstanden, verteidigte Katholikos Nerses Schnorhali die Rechtgl\u00e4ubigkeit der armenischen Opferpraxis. Die Anf\u00e4nge des armenischen Hokehatz (Seelenbrot) liegen im Abendbrot des altkirchlichen Agapemahls, das die ersten Christen am 3. Tag nach dem Abendmahl am Grab haben abhalten sollen. Damit waren auch die paganen (heidnischen) Sitten eng verbunden.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">In der Antike hat man an bestimmten Tagen nach dem Tod und am Jahrestag an den Gr\u00e4bern ein Totenmahl abgehalten, bei dem man sich den Verstorbenen als anwesend dachte. Mit dem Mahl war ein Opfer verbunden, das die verschiedene Seele erquicken sollte. Das heidnische Totenmahl wurzelte in der Vorstellung, dass der Verstorbene in der N\u00e4he des Grabes ein materielles und dem irdischen \u00e4hnliches schattenhaftes Leben weiterf\u00fchre. Unter hellenistischem Einfluss wandelte sich diese Vorstellung in eine Pflege des Andenkens der Toten, wodurch sich unter dem Aspekt der Gemeinschaft Lebende und Tote miteinander verbanden. Hieran schloss sich die f\u00fcr das Christentum eminent wichtige Idee der Teilhabe von Lebenden und Toten an. Dieses Ph\u00e4nomen erleichterte den \u00dcbergang des Totenmahls in den christlichen Ritus. Durch die Einf\u00fchrung des (eucharistischen) Abendmahls und durch die Umdeutung des Totenmahls zu einer Agape bekam die heidnische Sitte vollkommene christliche Legitimation.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Das von den vorchristlichen Sitten herkommende Opfermahl (Madagh) wurde in der armenischen Kirche zu einer Agape umgedeutet. In einer Homilie des Katholikos Mantaguni wurde die christliche Mahnung laut, dass man zum Opfermahl die Armen, Kranken, Fremden, Waisen und Witwen einladen soll. Der Sinn sei verfehlt und der s\u00fchnende Charakter des Mahles ginge verloren, wenn man nur die Angeh\u00f6rigen und Freunde teilnehmen lasse. Die Kirche wollte die Opfermahlzeit als Mahl der Barmherzigkeit betrachten. Der Verteidiger und Ausleger des armenischen Brauchtums Krikor Datewatzi deutete das Totenmahl als ein Symbol der Liebe und Barmherzigkeit gegen\u00fcber den Armen. Welch hohen Wert die Kirche dem Opfer und dem Agapemahl im offiziellen Totenkult beimisst, belegt das strikte Verbot, welches die Synode von Schahabiwan \u00fcber Personen verh\u00e4ngt, die ihre Toten mit \u00fcberm\u00e4\u00dfiger Klage zu Grabe tragen: sie d\u00fcrfen den Verstorbenen kein Opfer mehr darbringen.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Die Kirche kennt unterschiedliche Begr\u00e4bnisriten f\u00fcr den Klerus (Priester, Bischof, Katholikos), f\u00fcr M\u00f6nche und f\u00fcr Laien (M\u00e4nner wie Frauen). Seit dem ausgehenden 13. Jh. bezeugen die liturgischen Handschriften einen eigenen Ritus f\u00fcr das Begr\u00e4bnis ungetaufter Kinder. Es ist aber nicht feststellbar, wann die speziellen Formeln daf\u00fcr entstanden. Auf jeden Fall f\u00fchrte die armenische Kirche eine Differenzierung der Begr\u00e4bnisfeier sehr fr\u00fch ein, schon im 10. Jh. Mit den Armeniern gehen zeitlich die liturgischen Handschriften der West- und Ostsyrer zusammen. Diese bekennen sich bereits seit dem sp\u00e4ten 9. Jh. zu unterschiedlichen Begr\u00e4bnisriten f\u00fcr M\u00f6nche, Kleriker, Laien und Kinder. Jedenfalls geht die \u00f6stliche Kirche in der Entfaltung der Begr\u00e4bnisrituale der byzantinischen Kirche liturgisch voran. Diese entwickelte erst zu einem relativ sp\u00e4ten Zeitpunkt ihre verschiedenen Begr\u00e4bnisordnungen. Der Metropolit Simeon von Thessaloniki beschreibt eine f\u00fcr alle Verstorbenen gleicherma\u00dfen g\u00fcltige Begr\u00e4bnisfeier zu seiner Zeit. Bis zum 15. Jh. war eine einzige Formel f\u00fcr den Begr\u00e4bnisgottesdienst in Gebrauch, in der die Gebete nach Bedarf dem Stande des Verstorbenen entsprechend angepasst wurden. Erst sp\u00e4ter wurden Riten f\u00fcr das Begr\u00e4bnis ungetaufter Kinder, und im 15. und 16. Jh. f\u00fcr Priester und f\u00fcr den Bischof bekannt. Liturgisch gesehen kn\u00fcpften die verschiedenen Begr\u00e4bnisriten an eine Praxis an, die an der Wende zum 6. Jh. in der Kirche Antiochiens beobachtet wurde. Nach einer Beschreibung der Bestattungszeremonie von Dionysius Areopagita wurde der unterschiedliche kirchliche Stand von Laien und Priestern durch den Ort der Aufbahrung des Leichnams in der Kirche kenntlich gemacht. Der Leichnam eines Priesters wurde auf dem Altar vor dem eucharistischen Tisch aufgebahrt, der Leichnam eines M\u00f6nchs wie auch der eines Laien jedoch &#8211; au\u00dferhalb des Altarraumes. Aber der eigentliche Inhalt der Begr\u00e4bniszeremonie blieb gleich. Seit dem Areopagiten ist in der armenischen Kirche eine Differenzierung des Begr\u00e4bnisritus f\u00fcr den Klerus und f\u00fcr den Laien nachweisbar.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Die Formel f\u00fcr eine M\u00f6nchsbestattung h\u00e4ngt vom Laienritus ab. Direkte Zeugnisse dar\u00fcber sind in der Vita des Katholikos Yeghiwartetzi erhalten, wo nur das Priester- und Laienbegr\u00e4bnis von ihm neugefasst sind. Der Begr\u00e4bnisritus f\u00fcr den M\u00f6nch ist in seiner inhaltlichen Struktur dem Laienbegr\u00e4bnisritus \u00e4hnlich, der in seiner Basisstruktur den Grundtypus des Ritus darstellt. Beide haben eine gemeinsame Struktur, deren Elemente in einer geregelten Abfolge von Psalm, Schriftlesung, F\u00fcrbitte und Gebet bestehen. Die Gemeinsamkeit beider Riten wird in der Ordnung der Gedenkfeier am klarsten deutlich. Beide Riten haben die gleiche Ordnung. Der einzige markante Unterschied zwischen M\u00f6nchs- und Laienritus besteht darin, dass der Leichnam eines M\u00f6nches in der Kirche (nicht auf dem Altar) aufgebahrt wird, w\u00e4hrend der Leichnam eines Laien vor dem Kirchenportal aufgebahrt wird.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Im Gegensatz dazu hat die Begr\u00e4bnisformel f\u00fcr den Klerus ihre eigene Entstehungsgeschichte. Der Begr\u00e4bnisritus f\u00fcr den Klerus ist strukturell und inhaltlich am reichhaltigsten. Er unterscheidet sich vom Laienritus wesentlich durch die vervielfachte Anzahl und L\u00e4nge seiner Schriftlesungen und Psalmen. Eine andere augenf\u00e4llige Besonderheit ist der gro\u00dfe Umfang von Lesungen aus dem Alten Testament.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Auch bestimmte Gebete und Supplikationen (Bittg\u00e4nge) wurden eingef\u00fchrt. Abgesehen von der reicheren Leseordnung liegt die L\u00e4nge des Priesterritus in den feierlichen Zeremonien begr\u00fcndet, die am vor dem Altar aufgebahrten Leichnam vollzogen wird. Der Gottesdienst in der Kirche erreicht seinen H\u00f6hepunkt in der Salbung des Leichnams mit kostbarem Myron\u00f6l, im Friedenskuss und in der zeremoniellen Verabschiedung des Verstorbenen durch die Mitbr\u00fcder des Priesters von Kirche und von Welt, die die Br\u00fcder ex persona defuncti ausf\u00fchren. Die Abschiedszeremonie ist reich an Symbolik. Begleitet von Psalmengesang und Gebet legt man den Toten nacheinander vor dem Kreuz, vor dem Bema, schlie\u00dflich vor dem Altar nieder. Dort werden die Stirn und die H\u00e4nde gesalbt. Der Salbung folgt das Salbungsgebet des Priesters und <a href=\"https:\/\/www.bibleserver.com\/EU\/Psalm22\" class=\"bibleserver extern\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Psalm 22<\/a> (bzw. 23) Vers 5 \u201eDu salbest mein Haupt mit \u00d6l\u201c. Nach dem Vollzug der heiligen Handlung verabschieden sich die Mitbr\u00fcder des Verstorbenen mit einem Kuss. Friedens- und Abschiedskuss versinnbildlichen die \u00fcber den Tod hinaus bestehende Gemeinschaft von Lebenden und Toten in Christus. Im Unterschied zur heidnischen Abwehrhaltung ist der Verstorbene, der nach christlichem Glauben zur Gemeinschaft mit Christus auferweckt wird, rein und heilig. Ex persona defuncti handeln die Mitbr\u00fcder auch wenn sie mit dem Wahlfahrtspsalm 121 (bzw. 122) Vers 1 \u201eIch freute mich \u00fcber die, die mir sagten: Lasset uns ziehen zum Hause des Herrn\u201c f\u00fcr den Toten den Abschiedsgru\u00df an die Kirche singen. Der Abschiedshymnus z\u00e4hlt zum \u00e4ltesten Hymnenbestand des armenischen Rituals. Seine \u00c4hnlichkeit mit der syrischen Begr\u00e4bnistradition ist auff\u00e4llig. Im 6. Kapitel seines Werkes \u201eNomokanon\u201c zitiert Bar Hebraeus (1286) die gleiche Psalmperikope aus dem Begr\u00e4bnisritus, die der Mitbruder statt dem verstorbenen Priester singt.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Die Abschiedszeremonie, begleitet von Friedenskuss und Totensalbung, hat ihren Ursprung in der christlichen Tradition. Den Toten mit Ingredienzien zu salben, geh\u00f6rte im heidnischen antiken Totenkult zum festen Bestandteil der Totenf\u00fcrsorge. Der Balsam diente in den hei\u00dfen L\u00e4ndern des Orients zugleich dem Zweck der Konservierung des Leichnams gegen die rasch fortschreitende Verwesung. Die Christen \u00fcbernahmen den Brauch und f\u00fchrten ihn, auf die sakrale Ebene transzendiert, in liturgischer Form, fort.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Die Ostkirchen verankerten die Totensalbung grundlegend in ihrem Begr\u00e4bnisritual. Die Zeremonie der Totensalbung wurzelt in einer Bestattungstradition, die seit den Kommentaren des Areopagiten zu den Mysterien der Kirche als fester Bestandteil des Begr\u00e4bnisritus bezeugt ist. Die armenische Kirche, die in der Frage der Totensalbung im Begr\u00e4bnisritus auf einer Tradition des Areopagiten als dem autoritativen Lehrer beruht, schreibt in ihren \u201eKanones\u201c die folgende Ordnung vor: \u201eUnd der Priester nimmt das heilige Myron und gie\u00dft es zuerst auf die Stirn, wie auch der heilige Dionysius von Athen, ein Sch\u00fcler des heiligen Apostels Paulus, anordnet. Er erkl\u00e4rt n\u00e4mlich der Reihe nach das Mysterium, welches man in solcher Ordnung des Christentums nicht mit heidnischen Greuel verderben soll, denn apostolisch ist dieser Kanon\u201c.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Die Totensalbung, die anfangs noch jedem Verstorbenen ohne Unterschied gespendet wurde, stellt Areopagita in einen geistigen Zusammenhang mit der Taufsalbung. Die Taufsalbung ist sinnf\u00e4lliges Symbol der Initiation in das christliche Leben und \u00dcbernahme der \u201eheiligen K\u00e4mpfe\u201c, die ein Christ fortan im Leben zu bestreiten hat. Gilt die Taufsalbung als Siegel der Bef\u00e4higung zum Eintritt in den Kampf des Lebens, so bedeutet die Totensalbung die Vollendung des Lebenskampfes. Der Entschlafene hat seine geheiligten K\u00e4mpfe ausgerungen. Die Totensalbung besiegelt somit die Taufsalbung.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">F\u00fcr die Totensalbung schreibt die Begr\u00e4bnisordnung der armenischen Kirche die Verwendung des Myrons vor, &#8211; der gleichen Substanz, mit der auch die Salbung im Taufritus vollzogen wird. Die syrische Kirche verwendet ebenfalls Myron als \u201e\u00d6l der Salbung\u201c f\u00fcr den Toten. Die materielle Gleichheit der Substanz bei der Salbung eines Verstorbenen und bei der myronhaltigen Balsamierung eines T\u00e4uflings stellt eine symbolisch unmittelbare, fast sakramentale Beziehung zwischen Totensalbung und Taufsalbung her. Anfang und Ende des christlichen Lebensweges flie\u00dfen so zeichenhaft ineinander und kommen zum Abschluss.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Die einst auch an Laien vollzogene Totensalbung scheint nach einer Begr\u00e4bnisordnung aus dem 10. Jh. au\u00dfer Gebrauch gekommen zu sein und findet nun nur beim Klerus ihre Anwendung. Wenig sp\u00e4ter nach der armenischen Kirche h\u00f6rte auch die syrische Kirche im 13. Jh. auf, die Totensalbung zu praktizieren.<\/span><\/p>\n<p align=\"left\"><span style=\"font-family: georgia, palatino, serif; font-size: 20px;\">Die Anwendung der Salbung hat die armenische Kirche von der antiochenisch-syrischen Kirche \u00fcbernommen. Wann der \u00dcbergang zu datieren ist, bleibt unklar. Es ist nur anzunehmen, dass es schon fr\u00fch geschah, so wie es auch die Begr\u00e4bnisordnung des Areopagiten bezeugt.<\/span><\/p>\n<\/div><\/div><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"","protected":false},"author":1,"featured_media":12584,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[107],"tags":[],"class_list":["post-5446","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-glaubensfragen"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/halle.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5446","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/halle.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/halle.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/halle.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/halle.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=5446"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/halle.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/5446\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/halle.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media\/12584"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/halle.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=5446"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/halle.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=5446"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/halle.dakd.de\/am\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=5446"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}